Börse

BörseÜber die Börsen erfolgt die Bereitstellung von Finanzierungsmitteln sowohl in Form von Eigen- als auch Fremdkapital für Investitionen. Sie ermöglichen die Lenkung des Kapitals in diejenigen Investitionsprojekte, die die höchste Rendite erzielen und so das Kapitaleinkommen der Geldgeber maximieren. Durch die Einschaltung der Börsen zwischen Anleger und Emittenten wird die Trennung von Finanzierung und Risikoübernahme vorgenommen. Es wird den Inhabern von an der Börse handelbaren Rechten ermöglicht, diese auf andere Personen zu übertragen, wodurch ein Kapitalgeber seine Anlage liquide hält, so dass den unterschiedlichen Laufzeitwünschen der am Kapitalmarkt Beteiligten Rechnung getragen werden kann.

Zudem ermöglichen die Börsen eine Zerlegung großer Kapitalbeträge in kleinere Einheiten und bewirken damit eine Losgrößentransformation.
In Deutschland existieren Wertpapierbörsen in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt a.M., Hamburg, Hannover, München und Stuttgart. Gehandelt wird ein breites Spektrum an in- und ausländischen Wertpapieren, das von Aktien über festverzinsliche Wertpapiere bis hin zu derivativen Wertpapieren reicht. Auch offene und geschlossenen Investmentfonds sowie so genannte „Exchange Traded Funds“ (ETF) werden heute an den Börsen gehandelt. Anfang 2006 waren zum Beispiel alleiin an der Frankfurter Wertpapierbörse ca. 7000 in- und ausländische Aktien, etwa genauso viele Rentenpapiere und ca. 45 000 Zertifikate, Aktienanleihen und Optionsscheine notiert.

Gemessen am Handelsvolumen sind Aktien traditionell die bedeutendste Wertpapierklasse. Mit 1381,5 Mrd. Euro entfielen im Jahr 2005 etwa 90 % der gesamten Orderbuchumsätze hierauf. Der Handel mit Aktien konzentriert sich seinerseits auf inländische Titel und dort auf die großen Unternehmen. 93 % der gesamten Aktienumsätze wurden 2005 mit Aktien deutscher Emittenten erzielt, wovon wiederum 947 Mrd. Euro bzw. 80 % auf die 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) enthaltenen Werte entfielen.
Unterschieden werden zwei Arten von Börsen, die Präsenzbörse und die Computerbörse. Im Präsenzhandel treffen Händler auf preisfeststellende Makler. Präsenzhandel im engeren Sinne, das heißt mit einer physischen Präsenzpflicht des Skontroführers im Börsensaal, bestand Anfang 2006 nur noch an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart.

Die anderen Börsen erlauben hingegen das Führen so genannter Fernskontren. Unabhängig davon gehen den Skontroführern heute ihre Aufträge in der ganz überwiegenden Zahl über elektronische Orderroutingsysteme zu. Bei reinen Computerbörsen werden die Aufträge hingegen vollautomatisch ohne die Einschaltung von Maklern ausführt. Elektronische Handelssysteme bieten prinzipiell die Vorteile geringerer Transaktionskosten, der Integration und Beschleunigung des gesamten Marktprozesses sowie einer dezentralen Zugangsmöglichkeit zum Börsenhandel. Die Bedeutung des elektronischen Handels nimmt weltweit zu.

In Deutschland kann dies an der Stelle des Comupterhandelssystem Exchange Electronic Trading abgelesen werden, das von der Deutschen Börse AG betrieben wird und an den Börsen Frankfurt und Düsseldorf zum Einsatz kommt. Anfang 2006 waren hieran 266 Teilnehmer aus 18 europäischen Ländern über einen Remot-Anschluss angeschlossen und nutzten damit die Möglichkeit, dezentral zu handeln. Die Umsätze auf XETRA machen bezogen auf die gesamten Orderbuchumsätze rund 80 % aus, bei Aktien sogar 90 % und bei den Titeln des DAX mittlerweile über 97 %. Der Rest der Umsätze entfällt auf den maklergestützten Präsenzhandel. Dieser hat vor allem für weniger liquide Papiere heute noch Bedeutung, bei denen die Marktteilnehmer auf die liquiditätsfördernde Funktion der Makler angewiesen sind.

Börse 2Auch beim Handel mit dem Privatanleger kann sich der Präsenzhandel behaupten. 
Globalisierung und der Trend zur Elektronisierung des Börsenhandels führen auch zu einem ständig steigenden Wettbewerbsdruck für die einzelnen Börsen. Hierauf reagieren diese mit Privatisierungen sowie mit einer ständigen Anpassung ihres Dienstleistungsangebots und ihrer Marktstrukturen.
Nach einer fast vierzigjährigen Unterbrechung wurde 1970 der Börsenterminhandel in der Bundesrepublik wieder zugelassen. Doch weder die zunächst gehandelten Optionen auf deutsche Standardaktien noch die ab März 1986 gehandelten Optionen auf deutsche Renten stießen auf große Resonanz. Eine deutliche Belebung erfuhr der Terminhandel erst mit dem Start der Deutschen Terminbörse 1990. Diese wurde im Mai 1998 durch ihren faktischen – nicht jedoch rechtlichen – Zusammenschluss mit der schweizerischen Terminbörse SOFFEX von der European Exchange (EUREX) abgelöst. Die EUREX wird gemeinsam von der Deutschen Börse AG und der Schweizerischen Börse SWX auf Basis einer vollelektronischen Plattform für Handel und Clearing mit harmonisierten Regelwerk und einer einheitlichen Palette an Derivaten betrieben.

Mit der seit 1998 aktiven Warenterminbörse Hannover (WTB) besteht in Deutschland außerdem eine vollelektronische Handelsplattform für verschiedene Terminkontrakte auf Agrarprodukte, und auch die Energiebörse European Energy Exchange in Leipzig bietet zusätzlich zum Spotmarkt Terminkontrakte auf Strom.
Das deutsche Börsenrecht sieht für den Handel mit Wertpapieren, Derivaten und Geldmarktinstrumenten keinen Börsenzwang vor. Der in den vergangenen Jahren überproportional gestiegene Handel außerhalb der Börsenhandelszeiten und den Börsenräumen ist dadurch gekennzeichnet, dass die Preise der freien Vereinbarung unterliegen und die börsentypische Standardisierung – insbesondere bei Terminkontrakten – fehlt. Handelsgegenstände können dabei auch Wertpapiere sein, die an einer Börse zum Handel zugelassen sind.
Neben der Unabhängigkeit von den befristeten Börsenhandelszeiten besteht das Hauptmotiv für den außerbörslichen Handel mit börsennotierten Wertpapieren – insbesondere bei Platzierung von Großaufträgen – in der Vermeidung der börsencharakteristischen Markttransparenz bzw. den damit verbundenen unerwünschten Preiseffekten.

Der Großteil des außerbörslichen Wertpapierhandels vollzieht sich zwischen Kreditinstituten und Versicherungen oder anderen Kapitalsammelsttellen. 
Dem Bereich des außerbörslichen Handels sind zudem die Alternative Trading Systems (ATS) zuzuordnen. Diese auch als Electronic Communication Networks (ECN) bezeichneten privaten Handelssysteme zeichnen sich allgemein dadurch aus, dass sie von einzelnen privaten Initiatoren (vor allem Kreditinstituten) betrieben werden. In ihnen schließen die Teilnehmer ihre Wertpapiergeschäfte direkt – also ohne die Einschaltung von Maklern oder Händlern – über Computer ab. Sie bieten ihre Dienste Wertpapierhändlern, Kreditinstituten, institutionellen Investoren und zunehmend auch privaten Anlegern an. ECNs bilden aufgrund ihres Kostenvorteils, ihrer flexiblen Handelszeiten sowie maßgeschneiderten Handelsmodellen eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu den etablierten Börsen und konnten vor allem in den USA erhebliche Marktanteile auf sich vereinigen.

Mit Instinet nahm im Jahr 1969 hier das erste System seine Aktivitäten auf.
Die wichtigste Rechtsgrundlage des Börsenwesens stellt das Börsengesetz dar. Zunächst definiert es die Börsenorgane und die Börsenaufsicht nebst den jeweiligen Befugnissen, regelt den Börsenbesuch sowie die Teilnahme am Börsenhandel und lässt insgesamt drei Marktsegmente zu. Es normiert die Zulassungsvoraussetzungen für den Handel von Wertpapieren am Amtlichen Markt und zusammen mit dem Wertpapierhandelsgesetz die Folgepflichten für Emittenten zugelassener Wertpapiere, wobei die Börsenzulassungsverordnung ergänzend gilt. Gleichfalls finden sich im BörsG Vorschriften für die Zulassung von Wertpapieren zum Geregelten Markt, die übrigens durch Regelungen in den Börsenordnungen vervollständigt werden.

 

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