Tagesgeld

Tagesgeld Einleitung: Was sind Tagesgeldkonten?

Tagesgeld Konten sind Investitionsmöglichkeiten, bei denen das Kapital ungebunden ist, da hier die Geldanlage mit keiner minimalen Laufzeit behaftet ist. Von daher unterscheiden sie sich z.B. von Festgeld. Denn bei diesen wird das Guthaben für einen im Voraus festgelegten Zeitraum, zum Beispiel für 30 Tage, unwiderruflich hinterlegt. Im Gegensatz zu Tagesgeld ist hier dann das Guthaben während der Laufzeit nicht für den Anleger erreichbar. Diese Flexibilität, die Tagesgeld im Bereich der Kapitalverfügbarkeit bietet, führt auch dazu, dass Tagesgeld eine interessante Alternative zu Ansparplänen ist, bei denen ein gewisser Betrag jeden Monat eingezahlt wird.

Diese interessanten Eigenschaften sind es, die Tagesgeldkonten so attraktiv bei den Anlegern machen. Speziell die permanente Verfügbarkeit des Guthabens – z.B. bei einem akuten Notfall, wie einem Wagenkauf nach einem Totalschaden oder Diebstahl – sind der hauptsächliche Anreiz von Tagesgeld. Jedoch ist auch der – relativ hohe – Zinssatz interessant für den Anleger. Denn die Zinsen orientieren sich bei Tagesgeld am Währungsmarkt, der zwar bekanntlich starken Fluktuationen unterliegt, aber auch sehr hoher Erträge liefert. Falls also die europäische Zentralbank den Leitzinssatz anhebt, profitieren davon auch die Tagesgeld Anleger. Und dies mit sehr kurzen Reaktionszeiten, da der Zinssatz von Tagesgeld sehr schnell angepasst wird.
Tagesgeld bietet also eindeutige Vorteile. Doch wie sind diese Konten genau geregelt? Was muss man betreffend der Funktionsweise und Nutzungskonditionen wissen? Was sind die mit Tagesgeld vergleichbaren Anlagemöglichkeiten? Der nächste Abschnitt wird sich mit all dem befassen.

Tagesgeld – Girokonten mit hoher Vergütung aber eingeschränkten Nutzungskonditionen

Wie bereits oben erwähnt, sind die Gelder, die der Anleger auf seinem Tagesgeldkonto hinterlegt, täglich verfügbar und also stets zum Greifen nahe. Von daher können Tagesgeldkonten als eine besondere Art Girokontos betrachtet werden. Mit der einen großen Ausnahme jedoch, dass ein Tagesgeldkonto, im Gegensatz zum alltäglichen Girokonto, stets Guthaben aufweisen muss. Tagesgeldkonten können nicht überzogen werden, und Bequemlichkeiten wie Dispokredite existieren hier selbstverständlich auch nicht. Des Weiteren sind alle konventionellen Zahlungsmethoden, wie z.B. Schecks, Lastschriften und Überweisungen, EC-Kartenzahlungen oder Kreditkarten nicht gestattet. Dafür entstehen für den Nutzer aber auch keine Verwaltungskosten. Gebühren bei der Einzahlung von neuem Guthaben werden genauso wenig angerechnet wie Auszahlungsgebühren bei Abheben des Guthabens. Sämtliche normale Zahlungsarten sind jedoch, wie gesagt, nicht möglich und ein Tagesgeldkonto kann also keinesfalls ein Girokonto ersetzen. Es können dafür Überweisungen auf ein, im Voraus angegebenes, sogenanntes «Referenzkonto» getätigt werden. Hier kommt verständlicherweise das normale Girokonto des Anlegers bei seiner Hausbank in Frage. Oder ein vom Herausgeber des Tagesgeldkonto mit jenem gruppiert abgeschlossenem Girokonto. Dazu später mehr.
 Da das Tagesgeldkonto sich also im strikten Sinne nicht direkt von einem konventionellem Girokonto unterscheidet, Zahlungsmethoden ausgenommen, bieten einige Banken keine Tagesgeldkonten, sondern Girokonten mit Tagesgeldähnlichen Konditionen an. Also vor allem Girokonten mit einer relativ hohen Vergütung des lagernden Guthabens. Jedoch können konventionelle Banken generell nicht mit den attraktiven Angeboten der Netbanken (Banken und Direktbanken, die ausschließlich über das Internet arbeiten) und anderen Direktbanken, welche einen Großteil der Tagesgeldkonten des freien Anlagenmarktes anbieten, mithalten. Daher sind es ebendiese klassischen Banken, die obig beschriebene, vom Zinssatz her aufgewertete, Girokonten anbieten. Eine vergleichbare Alternative zu einem Tagesgeldkonto währen hier die Währungsfonds, die ebenfalls einen sehr Marktnahen Zins aufweisen und von daher in diesem Bereich ähnlich interessant für die interessierten Anleger sind.

Die Direktbanken nutzen genau diese Attraktivität des Tagesgelds oft, um sogenanntes «cross-selling», also den gleichzeitigen Verkauf anderer Produkte an die neuen Anleger zu praktizieren. Deshalb bieten sie teilweise überdurchschnittliche Zinssätze, die sogar bis zu 45% über dem aktuellen Marktniveau der Vergütung für kurzfristige Anlageprodukt liegen. Auch ist oft das Eröffnen eines Tagesgeldkontos nur zusammen mit einem anderen Finanzprodukt wie Depotkonto oder Girokonto erlaubt. Einige Banken verlangen auch eine Mindesteinzahlung bei Eröffnung des Kontos. Diese bewegt sich meist im Rahmen von 25 bis 50 Euro. Hier gilt es also für Tagesgeldinteressierte Anleger, die gesamten Produktbündel genau unter die Lupe zu nehmen und eventuell entstehende Zusatzkosten gegeneinander abzuwägen.
Aber auch im direkten Vergleich mit anderen Anlageprodukten bietet Tagesgeld eindeutige Anreize. So schreiben die Banken, die Sparkonten anbieten, mindestens eine dreimonatige Kündigungsfrist vor, oder eine stark begrenzte gebührenfreie monatliche Kapitalverfügbarkeit von nur ca. 2000 Euro. Will der Nutzer momentan über mehr verfügen, zahlt er saftige Zusatzgebühren. Der Jahreszins solcher Sparkonten ist des Weiteren sehr niedrig, im Gegensatz zu den hohen Erträgen des Währungsmarktes, und rangiert deutlich unter der 1% p.A. Grenze. Generell liegt er zwischen 0,25 und 0,75% p.A.

Festgeldkonten mit kurzen Laufzeiten zwischen einem Monat und einem Jahr können ebenfalls nicht mit den Vergütungen von Tagesgeld Schritt halten. Je nach Länge der Laufzeit liegt hier die Vergütung bei 50 bis ca. 90% der eines Tagesgeldkontos. Auch ist das Minimum an investiertem Kapital sehr hoch angesetzt. 5000 bis 10000 Euro müssen mindestens sofort bei Eröffnung angelegt werden. Ein Tagesgeldkonto ist in der Regel jedoch schon ab einem Euro abschließbar.

Tagesgeld 02Zusammenfassung – Die Hauptvor- und Nachteile von Tagesgeld

Die Vorteile von Tagesgeld sind vielseitig. An erster Stelle steht der Anreiz des sehr hohen Zinssatzes. Er liegt wesentlich über dem konventioneller Sparkonten, und die Zinseszinsen sind von daher auch deutlich ertragreicher. Anschließend ist Tagesgeld eine sehr flexible Anlageform, da das Guthaben zu jedem Zeitpunkt für den Anleger (gebührenfrei) verfügbar bleibt. Wird das Konto von einer ausländischen Bank angeboten, sind hier jedoch generell leichte Grenzen gesetzt. Das Guthaben ist also nicht über einen langen Zeitraum festgelegt, wie es bei Fonds und Depots mit Laufzeitabhängiger Vergütung der Fall ist. Des Weiteren sind die mit dem Tagesgeldkonto verbundenen Verwaltungskosten gleich Null. Anlagefonds berechnen oft neben jährlichen Verwaltungsgebühren noch viele weitere, wie z.B. Transaktionsgebühren oder «Strafgebühren» bei überschreiten des monatlichen Kapitalverfügbakeitslimits (Also wenn aus einem Notstand heraus z.B. vor Laufzeitende die Anlage aufgelöst werden soll).

Einige Schattenseiten hat Tagesgeld jedoch auch. Betrachtet man nämlich die Erträge über einen langen Zeitraum (also ungefähr ab einem Jahr aufwärts), sind die Vergütungen insgesamt niedriger als die der Konkurrenzanlagen, da der Zinssatz täglich schwanken kann, und also auch eine für den Anleger nachteilige Entwicklung des Leitzins viel schneller bei diesem ankommt. Aber auch der Regelzinssatz selbst ist im Schnitt niedriger als der von Langzeitinvestments. Als eine Langzeitanlage ist Tagesgeld aber auch nicht primär gedacht, da vor Allem die Flexibilität dieser Anlage z.B. als Überbrückungslagerung von Geldern interessant ist. Wer also eine kurzzeitige Kapitalanlage sucht, da er .zB. in naher Zukunft auf eine prognostizierte positive Vergütungsentwicklung der Langzeitinvestment-Produkte wartet, und daher seine Anlage solange flexibel halten muss, kann also bei Tagesgeld nichts falsch machen.